01. Januar 2026
Hat das mit den Wechseljahren zu tun?
Ja, das hat es. Und es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
In dieser Lebensphase bekommt Bewegung einen anderen Stellenwert. Nämlich als Möglichkeit, den Körper zu begleiten. Viele Frauen merken in dieser Phase: Was früher funktioniert hat, geht plötzlich nicht mehr. Mehr Anstrengung führt nicht automatisch zu mehr Wirkung. Manchmal sogar zum Gegenteil.
Bewegung wirkt jetzt weniger über den Kalorienverbrauch als über Regulation. Sie beeinflusst das Nervensystem, die Stressreaktionen, den Stoffwechsel – und damit indirekt auch Hunger, Sättigung und Gewicht. Der Körper wird sensibler. Er reagiert nicht mehr primär auf Intensität, sondern auf Qualität und Rhythmus. Regelmässige, gut dosierte Bewegung signalisiert Sicherheit. Sie hilft, Spannungen abzubauen, den Atem zu vertiefen und den inneren Druck zu reduzieren, der sonst unbemerkt mitisst.
Doch Regulation allein reicht in dieser Phase nicht aus. Der Körper braucht neben Beruhigung auch klare strukturelle Impulse. Dabei rückt die Muskulatur stärker in den Vordergrund.
Mit den hormonellen Veränderungen geht Muskelmasse leichter verloren – oft unbemerkt.
Mit dem Rückgang von Östrogen, Testosteron und weiteren aufbauenden Hormonen reagiert der Körper weniger zuverlässig auf Belastung. Muskelgewebe wird schneller abgebaut, wenn es nicht regelmässig und gezielt angesprochen wird. Dies verändert den Energieverbrauch und das Körpergefühl.
In dieser Lebensphase bekommt Kraft eine neue Bedeutung. Nicht als Leistung, sondern als etwas, das trägt, stabilisiert und den Körper im Alltag unterstützt. Der Körper braucht regelmässige Kraftimpulse. Ohne diese Impulse baut der Körper Muskelgewebe schneller ab, als uns lieb ist. Die Folgen zeigen sich nicht sofort, sondern schleichend: weniger Stabilität im Alltag, ein trägerer Stoffwechsel, stärkere Blutzuckerschwankungen und damit häufiger Heisshunger. Auch das Körpergefühl verändert sich – man fühlt sich schneller müde, weniger getragen, weniger belastbar.
Muskeln sind also kein ästhetisches Nebenprodukt, sondern ein aktives Stoffwechselorgan – sie entscheiden mit, wie ruhig oder unruhig der Körper reagiert.
Was vielen Frauen in dieser Zeit guttut, sind Bewegungsformen, die Kraft und Wahrnehmung verbinden. Nicht hartes Muskeltraining, sondern klare, präsente Arbeit. Ein Spüren von Aufrichtung, Standfestigkeit und innerer Spannung – und ebenso das bewusste Lösen und Entspannen.
Interessanterweise verändert sich dadurch auch das Essverhalten. Nicht direkt, sondern über die Wahrnehmung. Wer sich regelmässig bewegt und dabei im Kontakt mit sich bleibt, nimmt Hunger und Sättigung besser wahr. Das Körperfeedback wird verlässlicher. Entscheidungen entstehen weniger aus Druck sondern aus einem inneren Wissen.
Vielleicht ist das der eigentliche Perspektivwechsel dieser Phase: Bewegung nicht als Pflicht, sondern als Unterstützung. Nicht, um gegen den Körper zu arbeiten, sondern damit er sich wieder besser regulieren kann.
Und so verstehe ich auch meinen Unterricht. In meinen Lektionen – live im Studio wie auch in den Videos – geht es nicht darum, möglichst viel zu leisten, sondern in einen Dialog mit dem eigenen Körper zu kommen. Kraft, Beweglichkeit, Atem und Wahrnehmung greifen ineinander. Mal ruhig, mal klar, mal kräftigend – immer mit dem Anspruch, dass es im Alltag hilfreich ist.
Viele Frauen schätzen diese Mischung: genug Kraft, um sich stabil zu fühlen, genug Feinheit, um sich nicht zu überfordern. Bewegung, die nicht zusätzlich Druck macht, sondern Orientierung gibt. Und wenn nebenbei ein bisschen innere Ruhe entsteht und die Pirellis nicht weiter wachsen – dann sind alle glücklich 😉
